REDEZEIT ALS STATUSSYMBOL

Führungspersonen reden mehr als Unterstellte, Männer mehr als Frauen. Das gilt überall, vom Parlament über Talkshows bis zum Business Meeting. Entsprechende Studien und unsere Erfahrungen zeigen, Redezeit ist ein Statussymbol.

MÄNNER

Eine Studie der Universität Princeton zeigte, je größer eine Gruppe ist, desto wahrscheinlicher ergreifen Männer das Wort. Die durchschnittliche Redezeit von Frauen sinkt sogar um bis zu einem Drittel, wenn mehr Männer als Frauen in einer Gruppe sind. Die Männer selbst reden umso länger und mehr, desto mächtiger sie sind. Doch auch in der Arbeitswelt sind häufig Männer die Wortführer. Das gilt für große Konferenzen ebenso wie für das Abteilungsmeeting. Zusätzlich werden Frauen öfter unterbrochen, gestört oder schlichtweg ignoriert.

Es ist zu beobachten, dass Frauen kürzer und schneller reden als Männer. Vielleicht um drohende Störrungen zu vermeiden? Die Natur benachteiligt Frauen als Redner. Ihre Stimmen sind oft höher und leiser als die der Männer. Mit der entsprechenden Lautstärke verschaffen man sich natürlich auch in einer großen Gruppe schnell Aufmerksamkeit. Tiefere Stimmen werden sowohl von Frauen als Männern als angenehmer empfunden. Aus diesem Grund werden auch die meisten Hörbücher von Männern gesprochen.

CHEFS

Dass Führungspersonen mehr Redezeit erhalten, hängt natürlich auch damit zusammen, dass sie Sachverhalte darlegen, Anweisungen erteilen oder Entscheidungen bekannt geben und erläutern müssen. Noch immer sind Führungspersonen mehrheitlich männlich, also kommt ihnen mehr Redezeit zu. Doch das ist es nicht allein. Oft führen sie Themen unnötig lange aus, erklären Offensichtliches oder weichen immer wieder vom Thema ab. Da bewusst oder unbewusst klar ist, dass Redezeit ein wichtiges Statussymbol ist, ergreifen männliche wie weibliche Chefs und Mitarbeiter, die eine Führungsrolle anstreben bevorzugt das Wort.

GLEICHBERECHTIGTE TEILHABE

Im Sinn der gleichberechtigten Teilhabe geht es also nicht nur darum in einem Entscheiderkreis vertreten zu sein, sondern auch darum zu Wort zu kommen, beziehungsweise gehört zu werden. Nun könnte das vermeintlich einfache Rezept für Frauen, die eine Chefposition anstreben, sein sich maskulin zu kleiden und männlich dominant bis hin zum Vielreden aufzutreten. Doch dieses Verhalten wird schnell als egoistisch, hart und unweiblich abgewertet, leider immer noch auch insbesondere von Frauen. Weibliches Verhalten wird wiederum oft als inkompetent und durchsetzungsschwach kritisiert.

BEWUSSTSEIN SCHÄRFEN

Wie kann dieses Dilemma gelöst werden? Schon bei der Erziehung zu Hause, in Kindergärten, Schulen und Universitäten ist es wichtig darauf zu achten, dass Mädchen und Frauen zu Wort kommen. Auch in den Unternehmen ist es wesentlich das Bewusstsein aller zu schärfen. So gibt es Unternehmen, die die Redezeit der einzelnen Teilnehmer stoppen und sichtbar machen. Eine besondere Art die Redezeit von Männern und Frauen sichtbar zu machen wählte Sue Montgomery. Sie sitzt als Bezirksbürgermeisterin im Stadtrat von Montreal. Beim monatlichen Treffen des Exekutivkomitees strickte sie einen Schal. Mit grüner Wolle wenn Frauen sprachen- mit roter, wenn Männer redeten. Wen wundert es, dass der Schal fast nur rot war?

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DiSG Kommunikationstraining
verstehen - einschätzen - kommunizieren

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