Immer mehr, insbesondere junge Leute, lassen sich tätowieren. Dennoch stellt sich die Frage soll man im Bewerbungsgespräch die Tätowierungen eher verstecken oder offen zeigen?

TATTOOS NEHMEN ZU

Schon die über 5000 Jahre alte Gletschermumie Ötzi wies zahlreiche Tätowierungen auf. Tätowierungen hatten im Lauf der Geschichte vielfältige Bedeutungen. Sie können Kennzeichnung sein, Zugehörigkeit zu einer Gruppe bedeuten oder einfach nur der Verschönerung dienen. Lange Zeit waren Tattoos hauptsächlich bei Seefahrern und Gefangenen üblich. Seit 30 bis 40 Jahren haben Tätowierungen allmählich zugenommen und sind mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nach einer aktuellen Umfrage trägt mindestens jeder 4. Deutsche ein Tattoo. Weitere 21% denken darüber nach, sich tätowieren zu lassen. Bevorzugte Orte für Tattoos sind bei beiden Geschlechtern Schulter und Rücken, bei den Frauen Knöchel und Fuß sowie die Oberarme bei den Männern.

BESSERE CHANCEN MIT TATTOO?

Eine Studie die in USA von M. T. French, Professor an der Miami Business School, an 2000 Teilnehmern durchgeführt wurde, zeigte dass mittlerweile tätowierte Personen teilweise sogar häufiger für einen Job ausgewählt wurden. Die Interpretation lautet, Tätowierungen bringen die eigene Persönlichkeit besonders zum Ausdruck und das kommt positiv bei der Jobsuche an. Auch wenn das Ergebnis nicht unbedingt auf Deutschland übertragbar ist, hat auch hier die Akzeptanz für tätowierte Bewerber zugenommen.

WER TOLERIERT WAS?

Seit einigen Jahren gibt es immer wieder Gerichtsurteile, die die Tätowierungen von Bewerbern für den Polizeidienst betreffen. Ob tätowierte Bewerber abgelehnt oder akzeptiert werden müssen, hängen danach von der Art des Tattoos und der vermuteten Akzeptanz in der Bevölkerung ab. So war ein Löwenkopf Tattoo am Unterarm zum Beispiel für das Verwaltungsgericht Düsseldorf kein Hinderungsgrund für die Einstellung in den Polizeidienst.

Generell hängt die Akzeptanz von Arbeitgebern für eine sichtbare Tätowierung nicht nur von der Tätigkeit und der Branche, sondern auch vom tätowierten Motiv ab. Grundsätzlich sind Tattoos zwar Privatsache, dennoch kann der Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse am äußeren Erscheinungsbild eines Mitarbeiters haben. Der klassische Fall ist der Kundenkontakt. Diesbezüglich kann der Arbeitgeber zum Beispiel verlangen, dass ein Tattoo am Unterarm durch entsprechende Kleidung versteckt wird.

Je konservativer eine Branche ist, wie Banken, Steuerberater, Anwälte und je mehr Kundenkontakt besteht, desto eher wird ein Arbeitgeber sich schon im Bewerbungsgespräch an sichtbaren Tattoos stören. Dies kann natürlich eine Absage nach sich ziehen, die in der Regel jedoch nicht mit dem Tattoo begründet wird. Selbst in den sogenannten Kreativbranchen sind großflächige und stark auffällige Tattoos nicht immer gern gesehen. Auf keinen Fall werden Motive mit diskriminierenden, extremistischen oder gewaltverherrlichenden Aussagen geduldet.

KEIN PATENTREZEPT

Wie sollen Sie sich also im Bewerbungsgespräch verhalten? Zunächst hängt das natürlich davon ab, an welcher Körperstelle sich ein Tattoo befindet. Niemand wird erwarten, dass Sie kurzärmlig zum Bewerbungsgespräch erscheinen, nur damit man Ihr Tattoo am Oberarm sehen kann. Sind die Tattoos unter der Kleidung versteckt, die Sie normalerweise im Job tragen, ist es natürlich gar kein Problem. Wie aber ist es mit Tattoos die Sie später, zum Beispiel im Sommer, offen zeigen wollen? Ist Ihnen das zur Schau stellen Ihrer Tattoos auch im Arbeitsalltag besonders wichtig, kann es natürlich sehr sinnvoll sein, dieses Thema bereits im Bewerbungsgespräch abzuklären. Dann erleben Sie auch später diesbezüglich keine Überraschungen. Andererseits kann die Toleranz, wenn auch nicht Begeisterung, für ein Tattoo beim Arbeitgeber steigen, wen er Ihre Vorzüge bei der Ausübung des Jobs bereits kennen gelernt hat.

Es gibt also für den Umgang mit Tattoos im Bewerbungsgespräch kein Patentrezept, denn die Grenzen, was gefällt oder gerade noch toleriert wird, sind fließend und unterliegen stark dem Zeitgeist.

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